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Graz-Salzburg-Linz-Innsbruck, 13.03.2020 (KAP)

Die kirchlichen Maßnahmen zur Prävention des Coronavirus (SARS-CoV-2-Virus) sind nun maßgeblich verschärft worden. Vertreter der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften hatten sich am Donnerstag mit der Regierungsspitze zu einem Gespräch getroffen, um über eine entsprechende Handhabung im Umgang mit dem Virus zu beraten. Die wichtigsten Maßnahmen: Ab Montag werden alle öffentliche Gottesdienste weitestgehend ausgesetzt und kirchliche Familienfeiern wie Trauungen oder Taufen verschoben; Kirchen bleiben ansonsten für das persönliche Gebet geöffnet. Kirchliche Veranstaltungen jeglicher Art sind für die kommenden Wochen aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen abgesagt oder werden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Beerdigungen dürfen ab Montag nur im Rahmen einer kurzen Feier am Friedhof im engsten Verwandtenkreis stattfinden. Beichten und seelsorgliche Einzelgespräche sind jedoch bei Wahrung entsprechender Hygiene- oder Vorsichtsmaßnahmen weiterhin möglich.

Der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl hielt beispielsweise hinsichtlich der Maßnahmen am Donnerstag wörtlich fest: "Wir erleben eine außergewöhnliche, uns alle fordernde Zeit, in der wir als Kirche besonders wichtig sind. Deshalb wollen wir unsere Aufgaben in der Seelsorge und in der Diözese Graz-Seckau unter Berücksichtigung der behördlichen Vorgaben weiterhin so gut wie möglich wahrnehmen."

Der Bischof rief dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren und den eigenen Glauben den derzeitigen Umständen entsprechend zu leben. "Nutzen Sie die Kraft des Gebets in der Familie. Feiern Sie Gottesdiensten via Radio-, TV- oder Internetübertragung. Und bitte, beten Sie für die Erkrankten und für alle, die Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen haben." Krautwaschl weiter: "Mit gesundem Hausverstand, unserem guten Gesundheitssystem und vertrauend auf die Hilfe Gottes werden wir auch diese Situation meistern."

Gottesdienste ohne Gläubige

Ab Montag sind auch in der Erzdiözese Salzburg alle öffentlichen Gottesdienste und Versammlungen bis auf Weiteres abgesagt. Die Priester sind aufgerufen, die Eucharistie weiterhin ohne physische Anwesenheit der Gläubigen für die Gemeinde und für die Welt zu feiern. In Klöstern dürfen die Gottesdienste in der klösterlichen Gemeinschaft - d.h. nicht öffentlich - stattfinden.

Die Gläubigen werden eingeladen, "über Medien teilzunehmen und sich im Gebet zuhause anzuschließen". Auf ihrer Website (www.kirchen.net/corona) informiert die Erzdiözese Salzburg die Bevölkerung über neue Entwicklungen und Gottesdienst- und Gebetsangebote in den Medien (Fernsehen, Radio, Livestream via Internet), die laufend aktuell gehalten wird. Die Kirchen bleiben aber auch weiterhin zum persönlichen Gebet geöffnet.

Erzbischof Franz Lackner ermutigt alle Gläubigen, für alle Kranken, Angehörigen, Pflegenden und Ärzte sowie für alle, die Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen tragen, zu beten. Darüber hinaus lädt er dazu ein, Kirchen zum persönlichen Gebet aufzusuchen.

Seelsorge in Zeiten der Corona-Pandemie

Auch in der Diözese Linz gelten die gleichen Maßnahmen wie in allen anderen Diözesen. Wie zugleich das kirchliche Leben bzw. die Seelsorge aufrechterhalten werden soll ist Gegenstand einer Pressekonferenz, zu der die Diözese am Montag, 16. März (10 Uhr, OÖ. Presseclub, Landstraße 31) einlädt. Es werde auch weiterhin seelsorgliche Angebote geben, hielt die Diözese fest. Die Seelsorger würden vermehrt auf telefonische Kontakte oder Social-Media-Kanäle zurückgreifen oder sich in der Nachbarschaftshilfe einbringen.

Glettler: "Wir tragen füreinander Sorge"

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat unterdessen in einem Schreiben an die Gläubigen um das Gebet für alle Erkrankten und für jene gebeten, die Verantwortung tragen für das Wohl der Menschen. "Beten wir gemeinsam um Weisheit und Besonnenheit, damit auch weiterhin zum rechten Zeitpunkt die notwendigen Entscheidungen getroffen und auch verlässlich umgesetzt werden können", so der Bischof wörtlich und weiter: "Wir tragen füreinander Sorge. In jedem Fall sollten wir alle mit größtmöglicher Achtsamkeit unseren Alltag gestalten und bei allen gebotenen Vorsichtsmaßnahmen auch keine panischen Reaktionen verstärken." Über alles menschliche Vorsorgen hinaus dürfe man nicht vergessen, "dass uns Gottes Segen zugesagt ist".

Im Burgenland ab sofort

In der Diözese Eisenstadt gilt das Verbot von öffentlichen Gottesdiensten nicht erst ab kommenden Montag, sondern ab sofort. Das hat Bischof Ägidius Zsifkovics verfügt, wie die Diözese am Freitag mitteilte. Wörtlich heißt es: "Alle öffentlichen Gottesdienste sind ab sofort bis aus weiteres abgesagt. Kirchen bleiben vorerst soweit als möglich für das persönliche Gebet geöffnet. Der Diözesanbischof hat von der Sonntagspflicht befreit." Die Gläubigen sollen zum persönlichen Gebet und zur Praxis der Hauskirche eingeladen und angeleitet werden. Hilfen dazu würden auf der Homepage "martinus.at" veröffentlicht.

Bischof Schwarz: Netz des Gebetes

In der Diözese St. Pölten treten das öffentliche Gottesdienstverbot wie auch die sonstigen österreichweit relativ gleichen Präventionsmaßnahmen mit Montag in Kraft. Bischof Alois Schwarz hat gleichzeitig in einem Brief an die Priester seiner Diözese appelliert, die Seelsorge auf neue Weise zu intensivieren und an der Seite der Menschen zu stehen. Wörtlich hielt der Bischof fest: "Mir ist es wichtig zu betonen, dass weiterhin die Kirchen und Kapellen geöffnet sein sollen; es wird dies auch so bleiben. Euch als Priester rufe ich dazu auf, täglich die in der Einleitung des Messbuches angegebene Messfeier ohne Gemeinde zu zelebrieren."

Die Priester sollten sich an fixe Gottesdienstzeiten halten und die Glocken einschalten, wenn sie die Messe feiern, "damit sich Menschen mit Euch im Gebet verbinden können", so Bischof Schwarz. Und der Bischof appellierte weiter: "Zeigen wir, dass es Gemeinschaft gibt, ohne konkret miteinander zu sein: Die Gemeinschaft in Christus hält über jede Distanz und Grenze hinweg zusammen." Seitens der Diözese St. Pölten wurde die Seite www.dsp.at/corona eingerichtet, über die laufend alle aktuellen Informationen abrufbar sein werden.

"Heilig-Haupt-Andachten" in Kärnten

Auch in Kärnten werden ab kommenden Montag "alle Gottesdienste in den Pfarren bis auf Weiteres ohne physische Anwesenheit der Gläubigen stattfinden", wie die Diözese Gurk am Freitag mitteilte. Die Diözesanleitung ruft die Priester der Diözese zugleich auf, die Eucharistie weiterhin für die ihnen anvertrauten Gläubigen und für die Welt zu feiern. Die Gläubigen werden eingeladen, via Radio, Fernsehen oder Online-Streams mitzufeiern und sich im Gebet zu Hause anzuschließen, heißt es in dem Schreiben, das im Namen von Bischof Josef Marketz von Generalvikar Johann Sedlmaier an alle Kärntner Pfarren und kirchlichen Mitarbeiter erging.

In dem Schreiben wiederholt die Diözesanleitung die Aufforderung, die Kirchen tagsüber weiterhin zum persönlichen Gebet offen zu halten. Darüber hinaus werden jene Pfarren im Besitz eines Heilig-Haupt-Bildes angehalten, "dieses bereits jetzt im Altarraum für Andacht und Gebet aufzustellen".

Die "Heilig-Haupt-Andachten" sind eine besondere Kärntner Tradition. Ihren Ursprung haben die Andachten in der Klagenfurter Stadthauptpfarre St. Egid, wo seit 270 Jahren ein Gnadenbild des dornengekrönten Hauptes Jesu über dem Hochaltar aufgerichtet ist. In Erinnerung an die Errettung aus einer Pestepidemie wurde 1750 die Einführung einer jährlichen Andacht zum "Heiligen Haupt" beschlossen. Diese findet auch heute noch in der Zeit zwischen dem vierten Fastensonntag und dem Montag nach dem fünften Fastensonntag statt. In vielen Kärntner Pfarren finden gegen Ende der Fastenzeit Gottesdienste statt, die die Verehrung des dornengekrönten Hauptes Christi sowie eine besondere musikalische Gestaltung beinhalten.

Virtuelle Kirche

Die christliche Glaubenspraxis wird durch das Coronavirus ein Stück virtueller: Unter dem Titel "Die Kirche kommt in dein Wohnzimmer" hat etwa die Erzdiözese Wien einen Überblick über Live-Übertragungen von Gottesdiensten in Radio und Internet zusammengestellt. Zielgruppe sind Gläubige, die nun ihrer Sonntagspflicht nicht auf gewohntem Weg nachkommen können oder auch wochentags via Medien geistliche Gemeinschaft erfahren wollen.

Der ORF-Sender "ORF III" überträgt wegen der Corona-Krise nun jeden Sonntag einen TV-Gottesdienst. Katholische Gottesdienste im Hörfunk bietet auch "radio klassik Stephansdom": von Montag bis Samstag jeweils um 12 Uhr und sonntags um 10.15 Uhr aus dem Stephansdom. Die beliebten Radiomessen in den ORF-Regionalradios (Ö2) beginnen sonntags um 10 Uhr. "Radio Maria Österreich" strahlt Gottesdienste wochentags um 8 Uhr und sonntags um 10 Uhr aus, "Radio Horeb" tut dies Montag bis Samstag ab 9 und Sonntag ab 10.30 Uhr.